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Ursprüngliches Krav Maga

Das ursprüngliche Krav Maga hat seine Anfänge aus dem Bestreben heraus, die Einheiten des neu gegründeten Israels mit einem Nahkampfsystem auszustatten, welches den Einsatztruppen ermöglichte, unter den gegebenen extremen Umständen, die Überlebensfähigkeit des Einzelnen in einer existenziellen Bedrohung drastisch zu erhöhen. Krav Maga entstand zunächst als Hybrid System. D.h. man bediente sich aller verfügbaren Kampfkünste und Selbstverteidigungssysteme und überprüfte die darin enthaltenen Bestandteile auf ihre Tauglichkeit im realen Einsatz. Allerdings realisierte man schnell, dass die bereits bestehenden Systeme häufig Anforderungen an den Einzelnen stellten, welche in Einsatzkleidung, unter Stress, ggf. auch in ungünstiger räumlicher Umgebung nicht umzusetzen waren. Die Folge daraus war, dass man im Bereich der Selbstverteidigung einen neuen Ansatz wagte und ein Kernsystem entwickelte, welches folgenden Gesichtspunkten gerecht wurde:

  • Das System musste unabhängig von der Kleidung, der Umgebung und der Witterung umzusetzen sein.
  • Instinktive Reaktionen müssen berücksichtigt und gewinnbringend in das System integriert werden.
  • Die technischen Vorgehensweisen mussten stressresistent, d.h. auch bei Verlust feinmotorischer Fähigkeiten umsetzbar sein.
  • Die Ausbildungszeit muss überschaubar sein.
  • Das System muss flexibel erweiterbar sein, so dass neue Erkenntnisse jederzeit eingebunden werden können.

Die Entwicklung des militärisch polizeilichen Krav Magas ist sicherlich nicht einer einzelnen Person zuzuordnen, sondern eher einem kontinuierlichen Entwicklungsprozess innerhalb der israelischen Sicherheitskräfte. Unterschiedlichste Ausbilder haben im Laufe der Zeit ihre Erfahrungen eingebracht und das System auf der Basis dieser Erfahrungen weiterentwickelt.

Wir wollen uns hier nicht an den reichhaltigen Spekulationen darüber beteiligen, wer wann wie viel zu diesem System beigetragen hat und uns deshalb im Folgenden auf zwei Namen beschränken, die unserer Meinung nach Erwähnung finden sollten.

Unbestritten war Imi Lichtenfeld eine der wesentlichen Initiatoren des Krav Maga. Unter seiner Führung wurde das Krav Maga in der Anfangsphase im militärischen Bereich entwickelt. Ab 1948 war er für ca. 20 Jahre als Chefausbilder für Leibeserziehung und Krav Maga in der School of Combat Fitness tätig.

Nach seinem Ausscheiden aus dem militärischen Bereich beteiligte er sich daran Krav Maga auf den zivilen Bereich zu übertragen.



Entwicklungen des zivilen Krav Maga

Die meisten Krav Maga Verbände im zivilen Bereich berufen sich auf Imi Lichtenfeld. Der durchaus kommerziell motivierte Nachfolgestreit hat zig Personen hervorgebracht, die für sich in Anspruch nehmen, als einzige die höchste Graduierung im zivilen Krav Maga erhalten zu haben und damit von Imi Lichtenfeld zum einzig legitimen Nachfolger bestimmt worden zu sein. Die entsprechende Argumentation im Kampf um Marktanteile nimmt dabei stellenweise groteske Formen an.

Unterschiedliche Verbände kämpfen um das zweifelhafte Privileg, das unverfälschte Original des Lichtenfeld Systems anzubieten, und das, obwohl kaum einer dieser Verbände Krav Maga noch exakt so unterrichtet, wie es von Imi Lichtenfeld ursprünglich entwickelt wurde.

Mittlerweile ist es im zivilen Krav Maga gängige Praxis, den jeweils verbandskonformen Stand als quasi-perfekt zu definieren und jede Abweichung von diesem Originalzustand durch Konkurrenzverbände als unzulässige Entweihung des Idealzustands zu brandmarken. Viel toleranter ist man allerdings dann, wenn spezielle Vorlieben des eigenen Verbandsprotagonisten zu Änderungen innerhalb des Programms führen. Seltsamerweise wird dadurch die Originalität des Systems nicht beeinflusst. Im Rahmen solcher Aktionen fanden dann stellenweise auch technische Vorgehensweisen Einzug, deren Praxistauglichkeit durchaus in Frage gestellt werden kann. Ein Beispiel dazu ist der Einsatz kopfhoher Tritte in der Selbstverteidigung und speziell bei der Messerabwehr, was in mehreren Verbänden zumindest optional gelehrt wird. Obwohl solche Vorgehensweisen wenig damit zu tun haben, was im realen Einsatz von Sicherheitskräften umgesetzt werden kann, wirbt jeder zivile Verband damit, das Selbstverteidigungssystem der israelischen Sicherheitskräfte anzubieten.

Von außen betrachtet gleicht diese Entwicklung eher dem Übergang eines Selbstverteidigungssystems zu einem Kampfkunstsystem, bei welchem sich der Einzelne den strikten Vorgaben einer zentralen Leitfigur unterzuordnen hat. Mit dem ursprünglichen flexiblen Selbstverteidigungssystems, welches dem Einzelnen genügend Freiraum zur individuellen Anpassung gibt, hat dies nichts mehr zu tun. Böse Zungen interpretieren in diesem Zusammenhang den Begriff Kampfkunst so, dass es eine Kunst ist, mit solchen Systemen überhaupt noch kämpfen zu können



Entwicklung in den Sicherheitskräften

Ungeachtet der Entwicklungen (von machen auch als Fehlentwicklungen gewertet) im zivilen Bereich, fand auch im polizeilich militärischen Bereich eine Weiterentwicklung statt, welche zwangsläufig eher an den realen Erfordernissen des Einsatzes orientiert war. Verschiedene Ausbilder der Sicherheitskräfte haben ihre jeweilige Variante des Krav Maga auch Zivilpersonen zugänglich gemacht und mit der Zeit bildeten sich auch hierbei diverse Verbandsstrukturen außerhalb der Sicherheitskräfte

Einer dieser Ausbilder war Amnon Maor, ehemaliger Chefausbilder der israelischen Grenzpolizei-Spezialeinheiten. Die praktischen Erfahrungen als Einsatzleiter und Ausbilder veranlassten ihn, das ursprüngliche Selbstverteidigungssystem der israelischen Polizei- und Militäreinheiten in wesentlichen Teilen zu modifizieren.

Im Gegensatz zu den Entwicklungen in den kommerziellen zivilen Verbänden, zeichnete sich sein Krav Maga Ansatz dadurch aus, dass es dem Einzelnen variablere Lösungsansätze bot und damit eine viel stärkere Möglichkeit zur Anpassung an individuelle Gegebenheiten erlaubte.

Auch basierte dieses System stärker auf dem Prinzip des grobmotorischen und damit stressresistenten Vorgehens. Den Übergang zur Kampfkunst und damit verbunden, die Einbindung von komplexeren Vorgehensweisen mit hoher Versagenswahrscheinlichkeit lehnte er strikt ab. Maor sprach in diesem Zusammenhang oft von der Versportlichung des Krav Maga.

Neben Amnon Maor gibt es noch eine Reihe anderer ehemaliger Nahkampfausbilder der israelischen Sicherheitskräfte, welche mittlerweile ebenfalls im zivilen Bereich Krav Maga Derivate unterrichten. Jeder bringt dabei die ihm eigenen Erfahrungen in sein System ein und erweitert damit das Spektrum dessen, was als Krav Maga bezeichnet wird.